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Aus Sarahs Garten

Die schönen Pflanzen und die unsichtbare Gefahr

Über Immergrün, Wildkräuter, Kinder im Garten und die Frage, warum man Pflanzen nicht nur nach Blüte und Wuchs beurteilen sollte.

Gartenformel Sarah-Ann · Aktualisiert am 15. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

Bild enthält von KI generierte Bestandteile

Aus Sarahs Garten

In dieser Reihe geht es um Gartenerfahrungen, die erst im Alltag ihre Bedeutung bekommen. Diesmal um Pflanzen, die schön aussahen, schon im Garten vorhanden waren oder sich selbst angesiedelt hatten – und die ich plötzlich mit anderen Augen sah, als ich von ihrer Giftigkeit wusste.

Inhalt
  1. Als das Immergrün plötzlich anders wirkte
  2. Warum Giftigkeit im Familiengarten zählt
  3. Kein medizinischer Rat
  4. Was in meinem Garten auftauchte
  5. Was ich heute anders sehe

Als das Immergrün plötzlich anders wirkte

Als ich den Garten übernahm, gab es darin Stellen, die sofort nach Arbeit aussahen, und andere, die sich zunächst fast versöhnlich zeigten. Eine davon war ein Bereich mit Immergrün, Vinca minor, das die Vorbesitzer irgendwann gepflanzt hatten und das sich, wie ich später noch ausführlicher feststellen sollte, für Grenzen nur bedingt interessierte. Es wuchs dicht, niedrig, dunkelgrün und zuverlässig, und im Frühjahr erschienen diese kleinen blauen Blüten, die so unschuldig und schön wirkten, dass ich ihnen den Ausbreitungsdrang zunächst beinahe verzieh.

Dass genau diese Pflanze noch aus anderen Gründen zum Problem werden würde, begriff ich erst später. Nicht, weil sie wucherte. Nicht, weil sie andere Pflanzen bedrängte. Sondern weil mein Kind von diesem Pflanzenteppich magisch angezogen wurde. Es wollte darin spielen und beugte sich über die Blätter und Blüten, als sei dieser Teil des Gartens eigens für kleine Hände und konzentriertes Spielen gemacht worden. Ich stand daneben und dachte zum ersten Mal nicht: Wie hübsch. Sondern: Was ist das hier eigentlich genau?

Es ist ein unangenehmer Moment, wenn eine Pflanze im Garten ihren Charakter verändert, ohne sich selbst zu verändern. Am Tag davor war sie Bodendecker, Blütenteppich, Altbestand. Am Tag danach war sie eine mögliche Gefahr. Das Kleine Immergrün gilt als giftig; beschrieben werden unter anderem Alkaloide in der Pflanze. Mehr dazu bei der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Warum Giftigkeit im Familiengarten zählt

Mir war von Anfang an wichtig: Keine unnötig giftigen Pflanzen. Nicht nur wegen meines Kindes, das damals noch dazu neigte, Dinge in den Mund zu nehmen, sondern auch, weil ein Garten ja nicht unter Laborbedingungen existiert. Kinder besuchen uns. Nachbarskinder könnten am Zaun stehen. Tiere, insbesondere Katzen, erkunden den Garten.

Ganz ungiftig ist auch mein Garten nicht. Das wäre vermutlich schwer zu erreichen, jedenfalls wenn man einen gewachsenen Garten übernimmt und nicht bereit ist, alles auf einmal auszuräumen. Ich habe Hortensien gepflanzt, obwohl sie als leicht giftig gelten. Andere Pflanzen sind nur in Teilen problematisch, etwa in Wurzeln, Zwiebeln, Samen oder Blättern. Und manches, was bereits vorhanden war, wollte ich nicht sofort entfernen, zum Beispiel eine alte Feuerscheinzypresse.

Ich versuche seither, genauer zu unterscheiden: Was ist theoretisch problematisch? Was ist bei realistischem Kontakt gefährlich? Was ist für Kinder, Haustiere oder besonders gefährdete Menschen zu leicht erreichbar? Und was steht vielleicht an einem Ort, an dem nie jemand damit spielt?

Kein medizinischer Rat

Wichtiger Hinweis

Ich bin keine Ärztin, habe keinen medizinischen Hintergrund und dieser Text ist ausdrücklich kein medizinischer Rat. Er ist ein persönlicher Erfahrungsbericht aus meinem Garten. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind, ein Erwachsener oder ein Tier giftige Pflanzenteile aufgenommen hat, sollte ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden. Bei schweren Symptomen oder akuter Gefahr gilt der Notruf 112.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass kleine Kinder in Garten, Natur und auf dem Balkon beaufsichtigt und früh über Gefahren aufgeklärt werden sollten. Mehr dazu beim BfR. Eine Übersicht der Giftnotrufzentralen stellt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bereit. Zur Übersicht der Giftnotrufzentralen.

Was in meinem Garten auftauchte

Diese Abwägung ist nicht bequem, weil sie die Romantik des Gartens stört. Man möchte Pflanzen nach Blüte, Duft, Wuchsform und Stimmung auswählen. Man möchte nicht bei jeder hübschen Staude überlegen, ob Blätter, Samen oder Wurzeln bei Verzehr gefährlich sein könnten. Aber gerade in einem Familiengarten ist diese Frage entscheidend.

Zumal nicht alle problematischen Pflanzen aus dem Gartencenter kommen. Manche melden sich ganz von selbst.

So freute ich mich eines Frühjahrs über hübsche weiße Blüten, die sich aus dem Gras erhoben. Sie wirkten zart, fast festlich, wie kleine Sterne auf langen Stielen. Ich betrachtete sie eine Weile mit jener Großzügigkeit, die man Wildpflanzen entgegenbringt, solange sie nicht im Lieblingsbeet stehen. Erst mithilfe einer Pflanzen-App lernte ich, dass es sich vermutlich um Dolden-Milchstern handelte, Ornithogalum umbellatum, im Volksmund auch „Gärtnertod“ genannt. Besonders die Zwiebel gilt als giftig; auch veterinärmedizinische Quellen führen den Dolden-Milchstern als giftig. Mehr dazu bei der Vetmeduni Wien.

Dolden-Milchstern mit weißen Blüten im Garten
Foto: Sarah Ann Ebli / Gartenformel.de – Dolden-Milchstern, im Volksmund auch Gärtnertod genannt, mit weißen Blüten im Garten.

Seitdem entfernen wir ihn, wenn er auftaucht. Der Bestand ist deutlich kleiner geworden, doch ganz verschwunden ist er nicht. Jedes Frühjahr begrüßt er uns wieder, als wolle er freundlich daran erinnern, dass Pflanzen ein anderes Verständnis von Hausrecht haben als Menschen.

Noch hartnäckiger ist die schwarzbeerige Zaunrübe, die in meinem Garten mit einer fast beleidigenden Unschuld erscheint. Sie rankt sich an Zäunen und anderen Pflanzen empor, wirkt im ersten Moment nicht dramatisch und ist doch eine Pflanze, bei der ich inzwischen sehr aufmerksam werde. Die Giftzentrale Bonn beschreibt Zaunrüben als giftig; beim Verzehr können unter anderem Brechdurchfälle auftreten. Mehr dazu bei der Giftzentrale Bonn. Genau solche Pflanzen machen mir mehr Sorgen als ein bekanntes Ziergehölz irgendwo hinten im Beet, weil sie plötzlich da sind, sich verstecken, ranken, zwischen anderem Grün verschwinden und dann doch erreichbar werden.

Schwarzbeerige Zaunrübe rankt im Garten am Zaun
Foto: Sarah Ann Ebli / Gartenformel.de – Schwarzbeerige Zaunrübe, die sich zwischen Zaun und Gartenpflanzen emporrankt.

Die eindrücklichste Geschichte war aber schon vor unserer Zeit in diesem Garten geschehen. Früher stand hier eine Eibe. Von ihr war nur noch ein alter Stumpf übrig, den wir entfernen mussten. Der Vorbesitzer hatte, so berichteten es Nachbarn, die Eibe vor Jahren entfernen lassen. Es hatte wohl einen Vorfall gegeben. Sie stand plötzlich neben der Pflanze, obwohl die Pflanze selbst längst verschwunden war.

Die Eibe ist dabei kein exotisches Risiko, sondern ein vertrauter Gartenbaum. Genau das macht sie so tückisch. Das BfR beschreibt die Europäische Eibe als giftige Pflanze; Nadeln und zerbissene Samen enthalten Taxine, während der rote Samenmantel selbst ungiftig ist. Wer über eine Eibe als Garten- oder Heckenpflanze nachdenkt, findet die praktischen Hinweise zu Standort, Schnitt und Giftigkeit in unserem Ratgeber zur Eibenhecke. Mehr dazu beim BfR-Giftgarten.

Was ich heute anders sehe

Ich glaube, viele Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner gehen zunächst nicht davon aus, dass Pflanzen, die man in jedem Gartencenter oder Baumarkt kaufen kann, ernsthafte Risiken bergen können. Christrosen? Rittersporn? Narzissen? Das klingt nach Blumenbeet, nicht nach Gefahr. Selbst beim Rhabarber, der als Kuchen oder Kompott so harmlos in der Küche steht, steckt die Erinnerung daran, dass Pflanzen nie nur hübsch oder nützlich sind. Die Stängel sind essbar, die Blätter wegen ihres hohen Oxalsäuregehalts jedoch nicht zum Verzehr geeignet. Mehr dazu beim Bundeszentrum für Ernährung.

Und nun? Alles verbannen?

Ich glaube nicht, dass es darauf eine allgemeine Antwort gibt. Jeder Garten ist anders, jede Familie auch. Ein Haushalt mit Kleinkindern, Hund, Katze, Besuchskindern oder einem demenziell erkrankten Angehörigen hat andere Anforderungen als ein Garten, den ausschließlich informierte Erwachsene nutzen. Aber ich würde heute jedem raten, sich mit dem Thema zu beschäftigen, bevor etwas passiert. Nicht panisch, nicht mit dem Ziel, den Garten steril und angstfrei zu machen, denn das ist weder möglich noch wünschenswert. Aber wach.

Für mich heißt das inzwischen: Pflanzen bestimmen, bevor ich sie dulde. Wildkräuter nicht nur nach Schönheit beurteilen. Etiketten lesen. Bei stark giftigen Arten genau überlegen, ob sie wirklich sein müssen und ob sie sich in erreichbaren Bereichen befinden. Und vor allem: nicht davon ausgehen, dass eine Pflanze ungefährlich ist, nur weil sie hübsch blüht, im Gartencenter steht oder schon immer dort gewachsen ist. Bei giftigen, insbesondere stark giftigen Pflanzen lieber auf „Nummer sicher“ gehen und darauf verzichten.

Vielleicht ist das eine der ernüchternden, aber wichtigen Lektionen meines Gartens: Schönheit schützt nicht vor Giftigkeit. Und manchmal beginnt verantwortliches Gärtnern nicht mit dem Pflanzen, sondern mit dem genaueren Hinsehen.

Was ich heute anders machen würde

Ich würde jede unbekannte Pflanze früher bestimmen, besonders in Bereichen, in denen Kinder spielen, Haustiere unterwegs sind oder Besuch unkontrolliert mit Pflanzen in Kontakt kommen könnte. Bei stark giftigen Arten würde ich nicht nur nach Schönheit oder Bestandsschutz entscheiden, sondern nach Erreichbarkeit, Verwechslungsgefahr und realistischem Risiko im Alltag.

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Sarah-Ann
Redaktion Gartenformel
Sarah-Ann

Sarah-Ann ist Gründerin von Contentwerte.de und die redaktionelle Stimme von Gartenformel.de. Als begeisterte Hobbygärtnerin schreibt sie über Gartenplanung, Pflanzen, Hochbeete, Bewässerung und praktische Entscheidungshilfen für private Gärten. Ihr Ziel ist es, Gartenthemen verständlich, ehrlich und alltagstauglich aufzubereiten – besonders für Menschen, die mit begrenztem Platz, Budget oder Pflegeaufwand planen.

Zuletzt aktualisiert · August 2026